Wieso die Sponsorensuche als Parasportler besonders herausfordernd ist

Pascal Christen ist Skibobfahrer in den Disziplinen Slalom, Riesenslalom und Super-G. Sein grosser Traum ist es, 2022 an den Paralympics in Peking mitzufahren. Um diesen Traum zu verwirklichen, hat er ein Projekt auf I Believe In You gestartet und innerhalb von zwei Tagen sein Ziel von 15’000.- Franken erreicht.
Im Interview mit ihm erfährst du, wie das Leben eines Parasportlers aussieht und mit welchen Schwierigkeiten Sportler mit Behinderung in den Bereichen Sponsoring und Medienpräsenz zu kämpfen haben.

Wie gestaltet sich deine aktuelle Situation als Parasportler? Kannst du 100% auf den Sport setzen oder arbeitest du Teilzeit?

Aktuell kann ich nicht vom Sport leben. Ich investiere viel Zeit und Geld in meine Sportkarriere mit der Absicht, meine Passion zum Beruf machen zu können. Bis im Januar 2020 habe ich als Screendesigner gearbeitet und bin nun Teilzeit-Student in Human Computer Interaction Design. Die Arbeit für das Studium lässt sich flexibel gestalten und so kann ich Sport und Ausbildung kombinieren. Unabhängig davon, ob ich den Schritt zum Berufssportler machen kann, will ich auf das Arbeitsleben nach dem Spitzensport vorbereitet sein. Das Studium hilft mir dabei.

Wie schwer ist es, ausschliesslich Profisportler im Parasport zu sein?

Aktuell gibt es in der Schweiz nur eine Handvoll Rollstuhlsportlerinnen und -sportler, die vom Sport alleine leben können. Durch die in den letzten Jahren gewachsene Akzeptanz von Menschen mit Behinderung, steigt auch das Interesse für unseren Sport, die Medienpräsenz und somit die Möglichkeit, Partnerschaften mit Marken aufzubauen. 

Mit den steigenden Möglichkeiten, als Athletin oder als Athlet Geld zu verdienen, erhöht sich jedoch auch der Bedarf an finanziellen Mitteln, was den Konkurrenzkampf steigert.

Durch welche Mittel kann man mit dem Parasport Geld verdienen?

Im Para-Skisport gibt es keine Preisgelder. Die Behindertensportverbände, die Schweizer Armee, die Sporthilfe, Kantone, Stiftungen und nicht zuletzt Unternehmen fördern gewisse Athletinnen und Athleten. Diese Sponsorengelder machen jedoch meistens weniger als die Hälfte des Supports aus.

Für die Erfüllung sportlicher Träume ist es auch sinnvoll, private Geldgeber via Crowdfunding zu akquirieren. So habe ich kürzlich ein Projekt auf I Believe In You gestartet und fand innert kürzester Zeit unglaublich viel Unterstützung: Bereits am zweiten Tag war das Projektziel von 15’000.– Franken erreicht! An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an all meine Unterstützerinnen und Unterstützer! Das Projekt ist noch bis im Januar 2021 online und ich freue mich über jede weitere Unterstützung. 

Hat sich die Sponsorensuche durch das “Body Positivity”-Movement für Parasportler verändert? Wie spürst du das in deinem Alltag?

Die Akzeptanz des «anders sein» ist in jüngster Zeit sicher gestiegen und Werte wie Inklusion und Diversität sind auch in den Marketingabteilungen verschiedenster Firmen ein Thema. 

Aber da ich erst seit etwas über vier Jahren im Rollstuhl unterwegs bin, wage ich nicht zu behaupten, diesbezüglich persönlich eine Veränderung wahrgenommen zu haben.

Ärgert es dich, dass Parasportler weniger Medienpräsenz erhalten?

Nein, denn die fehlende Präsenz ist nicht einzig den Medien zuzuschieben, wir alle sind dafür verantwortlich. Umso grösser das Interesse der Gesellschaft am Behindertensport und den vielen interessanten Geschichten dahinter ist, umso mehr sind die Medien auch bereit, das Thema zu beleuchten.

Zum Glück gibt es vonseiten der Verbände viele Bestrebungen, unseren Sport attraktiver zu machen. Im Para-Skisport können dank unterschiedlich schnell laufender Zeit verschiedentlich eingeschränkte Sportlerinnen und Sportler direkt miteinander verglichen werden und damit den Zuschauenden spannende Unterhaltung geboten werden.

Was würdest du in der Sportwelt gerne ändern, wenn du es könntest?

Ich finde, dass die Gesundheit der Sportler noch mehr im Zentrum stehen sollte. Spitzensportlerinnen und -sportler bewegen sich im Grenzbereich menschlicher Leistungsfähigkeit. Sie erarbeiten das Optimum für den Wettkampf – auch auf Kosten der Gesundheit, wenn von den Weltverbänden keine Einschränkungen oder Regelungen bezüglich Sicherheit, Verletzungspausen, Material etc. gemacht werden. Auch wenn wir heute bezüglich der Sicherheit schon sehr viel weiter sind als noch vor zwanzig Jahren, finde ich trotzdem, dass die Gesundheit der Athletinnen und Athleten weiterhin viel Aufmerksamkeit verdient.

Besten Dank fürs Gespräch. Wie kann man mehr über dich erfahren?

Ich bin aktiv auf Instagram als @pascalchristen.ski und schreibe hin und wieder Blog-Posts auf meiner Webseite pascalchristen.ski.

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